Siegen/Sebnitz. 04.10.2021

Der Tag der Deutschen Einheit: Anlass für die Stadt Siegen, mit Petra Pansch eine Buchautorin („Vom Ossi zum Wessi“) einzuladen, die beide Seiten bestens kennt – Jahrzehnte lebte Pansch in Neuwied am Rhein, nachdem sie mit ihrem Mann Horst und ihrem knapp dreijährigen Sohn 1984 aus der DDR ausreisen durfte. Die 1953 geborene Autorin, die Eifel ist heute ihre Wahlheimat, warf am Sonntag in einer kleinen Feierstunde in der Siegerlandhalle einen Blick hinter den eisernen Vorhang, berichtete über ihre Ausreise bzw. ihren steinigen Weg zu einem selbstbestimmten Leben in Westdeutschland.

Wir verloren alles: die Staatsbürgerschaft, unseren Besitz und zunächst unsere ostdeutsche Familie!

Petra Pansch Zeitzeugin und Buchautorin: „Beziehungen machten im Sozialismus zufrieden“

Die Gäste der Feierstunde – Corona-konform auf Abstand gehalten und zudem bestens von jungen Nachwuchsmusikern der Fritz-Busch-Musikschule unterhalten – bekamen eine traurige Geschichte zu hören. Sie nahm ihren Anfang mit einer simplen Einladung des Schwiegervaters zum Geburtstag. Nur: Der lebte im Westen. Pansch aber ist aufgewachsen im Osten, arbeitete als Lokaljournalistin in Sebnitz. „Wir gehörten zur DDR-Mittelschicht: Alles war da, Auto, Haus, eigener Garten. Beziehungen machten im real existierenden Sozialismus zufrieden!“

Nach dem Antrag die Schikane

Bis Pansch 1982 einen Antrag auf Ausreise in die Bundesrepublik stellte. Die Erlaubnis blieb aus, sie erlebte stattdessen zwei Jahre Überwachung, Schikanen, Verhöre. Erst als sie sich direkt an den Ministerrat der DDR wandte, kam Bewegung in die Sache. „Ende März 1984 durften wir ausreisen, verloren dabei alles: die Staatsbürgerschaft, unseren Besitz und zunächst unsere ostdeutsche Familie!“ Die drei landeten im Notaufnahmelager Gießen, wie 17 000 (!) andere Ex-DDR-ler allein in diesem Jahr, so die Zeitzeugin. Ihr Bericht über die Ereigniskette und die Emotionen war „eindrücklich“, dankte Gastgeber und Bürgermeister Steffen Mues. Es sei wichtiger denn je, sich eingehend mit der Ost-West-Vergangenheit zu beschäftigten. Mues: „Die Wunde darf sich nicht schließen, es bleibt wichtig, die Taten und die Täter wie ihre Helfer zu benennen!“