Vom Ossi zum Wessi
Petra Pansch beschreibt in "Vom Ossi zum Wessi" ihr Leben im real existierenden Sozialismus der DDR
Petra Pansch wuchs in der DDR auf, doch ein Brief aus Ulm ändert im Jahr 1984 alles für sie. Sie beschreibt eindrucksvoll, emotional und zeitweise mit einem Augenzwinkern, wie sie im real existierenden Sozialismus der DDR danach strebte, ihre eigene Nische und Freiheit zu finden, bis ein Brief aus Ulm ankam. Nach dessen Ankunft beantragt die Autorin ihre Entlassung aus der DDR-Staatsbürgerschaft und ihre Ausreise. Sie verlässt die DDR zusammen mit ihrer Familie, um im Westen neu zu beginnen. Sie teilt die Gründe dafür mit den Lesern ihrer Autobiografie und beschreibt, mit welchen Herausforderungen sie nach diesem einschneidenden Ereignis zurechtkommen musste.
Die Autobiografie "Vom Ossi zum Wessi" von Petra Pansch liefert einen faszinierenden und vor allem ehrlichen Einblick in das Leben in der damaligen DDR. Die Leser erfahren, wie sich das Leben eines Ostdeutschen wirklich von dem Leben eines Westdeutschen unterschieden hat. Eindrucksvoll und bewegend schildert sie die die Zeit vom Ausreiseantrag bis zur Ausbürgerung aus der DDR und die Repressalien und Gefahren, denen sie buchstäblich bis zur letzten Minute vor dem Grenzübergang ausgesetzt war.
Sie schildert, mit welchen Herausforderungen die Lebenswandlung verbunden war. Petra Pansch liefert neben einer unterhaltsamen Biografie auch ein spannendes Zeitportrait der jüngeren deutschen Geschichte.


Die Sächsische Zeitung, Lokalredaktion Sebnitz, berichtet am 4.April 2019
Von Anja Weber 4. Min. Lesedauer
Spießrutenlaufen durch Sebnitz
Petra Pansch kommt nach vielen Jahren in eine Stadt zurück, die sie eigentlich nie mehr sehen wollte. Zu viel war geschehen.
Petra Pansch lebte bis zu ihrer Ausreise 1984 in Sebnitz. Ihre Erinnerungen an diese Zeit hat sie in ihrem ersten Buch niedergeschrieben. © privat
Eine zierliche Frau mit rötlichen Haaren steht in den Räumen der SZ-Redaktion in Sebnitz. Sie zeigt aus dem Fenster. Genau gegenüber, im ersten Stock in der Schandauer Straße 5, hat sie gearbeitet – als Redakteurin bei der Sächsischen Zeitung. Bis zu ihrer Ausreise 1984.
Petra Pansch, Jahrgang 1952, hält kurz inne. Gedankenverloren schaut sie auf das Haus gegenüber. Kein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Zu emotional, vielleicht auch zu qualvoll scheinen ihr die Erinnerungen an ihre letzten beiden Jahre in Sebnitz. Sie wollte eigentlich nie wieder in diese Stadt zurückkommen, in der sie sich einst angepasst und dann nicht mehr wohlgefühlt hat. 1995 hat sie Sebnitz ein letztes Mal besucht, um die Angelegenheiten mit ihrem Gartengrundstück zu regeln, dann nie mehr. Bis heute. Doch bevor sie erzählt, holt sie ein Buch aus ihrer Tasche, mit zitternden Händen: „Vom Ossi zum Wessi – Alles hat seinen Preis“. Es spiegelt ihr Leben in all seinen Facetten wider.
Es ist ihre Vergangenheitsbewältigung, an die Orte zurückzukehren, die ihr Leben mitgeprägt haben, wie ihre Geburtsstadt Meißen und eben auch Sebnitz, die Stadt, in der sie einige Zeit zu Hause war und die sie 1984 verließ, glücklich, in den Westen ausreisen zu können. Umso emotionaler ist ihr Spaziergang durch Sebnitz, von dem nur Aufnahmen der Häuser zurückbleiben. Sie selbst hat darauf verzichtet, sich in Sebnitz fotografieren zu lassen. Dabei hätte es viele Orte gegeben, an denen ein Foto von ihr hätte entstehen können, etwa das Blumengeschäft, in das sie die Narzissen aus ihrem eigenen Garten auf der Heiligen Leite gebracht hat, oder das Haus, in das der Trabi verkauft wurde, bevor sie mit ihrem Mann Horst und ihrem Sohn in den Westen ausreisen durfte.
Manches beschreibt sie schonungslos in ihrem Buch, manches mit dem augenzwinkernden Blick auf den Sozialismus in der DDR. Zum Beispiel, wie in Sebnitz das Thema Mangelwirtschaft bewältigt wurde. Wer das Buch liest, kann nachvollziehen, wie sehr die Menschen auch in Sebnitz auf der Suche nach Nischen waren. Petra Pansch beschreibt, was sich in ihre Erinnerungen festgebrannt hat. Es ist die kleine Wohnung in der Pablo-Neruda-Straße, heute Kreuzstraße, mit dem provisorisch eingebauten Bad, der Garten an der Heiligen Leite, der um 1995 traurige Berühmtheit erlangte. Die Laube wurde einem Einbrecher zum Verhängnis. Er schnitt sich am Glas und verblutete.
Sie beschreibt den Weg in die Kinderkrippe auf der Langen Straße, Erlebnisse ihres Mannes Horst in der Abus, dem Hebezeugwerk. Sie beschreibt, wie einige ihrer Mitmenschen sie nach dem Ausreiseantrag beschimpften oder sich wegdrehen. Erlebnisse, die Petra Pansch bei ihrem Besuch noch einmal durchleidet. Sie beschreibt, wie ehemalige, ebenfalls ausgewanderte Sebnitzer sie hintergangen haben, wie sie Freundschaft und Zusammenhalt heuchelten. Denn auch die Anfangszeit in ihrer neuen Heimat Montabaur in Rheinland-Pfalz war nicht einfach für sie.
Ihre Eindrücke gewinnen in dem Buch an Dynamik. Sie operiert mit vielen Namen, meist mit Vornamen. Bei wieder anderen hat sie die Namen leicht verändert.
Die Autorin hat ihren Weg gefunden. Nach ihrer Ausreise arbeitete sie bei der Deutschen Presseagentur, in der Presseabteilung der Handwerkskammer in Koblenz sowie als freie Journalistin für Lokalzeitungen in Rheinland-Pfalz.
Das Buch selbst sollte es aber eigentlich so nie geben. „Ich wollte nie über mein Leben schreiben. Vielleicht auch, weil mich die Erinnerungen all die Jahre stark begleitet haben, manche auch verblasst waren“, sagt sie. Doch ihr jetziger Lebensgefährte hat sie dazu ermutigt, die Erlebnisse aufzuschreiben, sozusagen als ein Stück Zeitgeschichte. Dennoch habe sie sich schwergetan. Nach zwei Jahren war sie mit dem Buch fertig. Petra Pansch überlegt inzwischen auch, ob sie nicht für eine Lesung aus ihrem Buch noch einmal nach Sebnitz zurückkommen und dann vielleicht auch mit ein paar Schnappschüssen mit ihr und der Stadt im Hintergrund im Gepäck wieder zurückfahren sollte.
