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Textschnipsel aus Charlottes Volkshaus Band 4

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Gedanken

Die Straßenbahn rollt in ihrem Schienenbett auf der Zwicke - aus der Stadt hinaus. Eigentlich wie immer; gleichmäßig und beruhigend. Doch an diesem Maientag des Jahres 1978 ist für mich alles anders. - Schon diese Zahl, diese „3“ die oben groß auf dem Wagen thront - an die kann ich mich nicht gewöhnen. Für mich ist es noch immer meine alte und vertraute „1“ die nach Siegmar fährt, obwohl die vor über einem Jahr eine andere Zahl erhielt.

Ich habe mich nicht in den Wagen gesetzt, sondern stehe im allerletzten, halte mich fest und schaue nach draußen. Harlass-Gießerei, Kappler Drehe, Rechts die Stern Apotheke und dann allerhand kleine und größere Häuser aufgereiht wie auf einer Kette. Am Volkshaus steige ich aus, ich muss, es ist meine Endstation hier. Ein ganzes Lebenskapitel klappe ich zu. Endgültig.

So viele Erinnerungen.  Ich muss lächeln. Da steht sie, die uralte Litfaßsäule - wie eh und je – fest und wie ein Leuchtturm am Meer. Ihr Ozean ist Kappel. Nichts kann sie erschüttern, alles lässt sie sich auf ihren runden Bauch kleben. - Sie ist meine Vertraute und gehört zu meinem Leben. Wie auch der Geruch, der mir jetzt entgegenschlägt. Es ist so ein Zwiespältiger, er gehört zu diesem Stück Straße dazu. Ich kann mich an ihn erinnern seitdem ich ihn richtig verstehe, sprich seine Komponenten auseinanderhalten kann. - Aus dem Restaurant des Klubhauses strömt dieser Sog aus kaltem Zigarettenrauch und abgestandenem Bier, so empfinde ich es. Mir dämmert es erst heute, warum Oma nicht ein einziges Mal mit mir in der Einheit einkehrte. -  Es war nicht mehr so, wie in den Zeiten, von denen sie mir oft mit leuchtenden Augen erzählte.

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